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Reisevermittlungsrecht 21 Pflichtverletzungen des Vermittlers
Flugbuchung/Informationspflichten des Reisevermittlers/Hinweis auf Umbuchbarkeit und Stornokosten
Ein Reisevermittler muss im Rahmen der Vermittlung eines Fluges den Kunden auch über die Bedingungen bzw. den Ausschluss einer Stornierung der Flugbuchung aufklären.
AG Frankfurt a.M., Urt. v. 28.6.2011 – 30 C 346/11 (68)
Fundstelle: RRa 2012, 17
Anm.: Einige wichtige Entscheidung für alle Reisebüros: Klären sie den Kunden bei der Buchung nachweisbar auf eine fehlnde Stornierungsmöglichkeit bei Sondertarifen auf!
Reisevertrag / Abgrenzung Veranstalter – Vermittler
Wer eine AGB-Klausel verwendet, wonach der Kunde mit der Buchung dem Reisebüro den Abschluss eines Reisevertrags anbietet, kann sich nicht darauf berufen, nur Reisevermittler zu sein, auch wenn er sich in der “Rechnung/Bestätigung” als Vermittler bezeichnet (Leitsatz der RRa)
LG Düsseldorf, 28.1.2010 – 22 S 17/10, RRa 2010, 175
Reisevermittlung / Reisebüro / Unzumutbare Leistungserbringung
Ein Reisebüro, das für einen Kunden anstatt des gewünschten 5-Sterne-Hotels ein 4-Sterne-Hotel hat buchen lassen, ist nicht verpflichtet, ihm eine Unterbringung in einem 5-Sterne-Hotel zu beschaffen, wenn das Reisebüro dafür einen nahezu 6-fachen Kostenaufwand im Vergleich zu dem vereinbarten Preis treffen würde (Leitsatz der VuR-Redaktion).
OLG Frankfurt a.M., 9.3.2010 – 10 U 162/09, VuR 2010, 237 = MDR 2010, 915
Cross-Ticketing/Cross-Border-Selling/Haftung des Reisebüros/IATA-Agentur-Vertrag
Ein Luftfahrtunternehmen hat gegenüber einem Reisebüro in den Fällen der “Nichteinhaltung der Coupon-Reihenfolge sowie des Cross-Ticketings” keinen vertraglichen Vergütungsanspruch in Höhe der bei “ordnungsgemäßer” Buchung entstandenen Entgelt.
LG Frankfurt a.M., 29.8.2008 – 3-04 O 121/07 (n. rkr.)
Fundstelle: RRa 2008, 278
Eigenhaftung des Reisevermittlers bei Informationspflichtverletzung/Einreisevorschriften
Ein Reisevermittler schuldet im Regelfall nur Beratung bei der Auswahl der Reise. Demgegenüber muss der Reiseveranstalter nach § 4 Abs. 1 Nr. 6 u. § 5 Nr. 1 BGB-InfoV auf die für die Durchführung der Reise notwendigen Formalitäten wie beispielsweise eine Visumspflicht hinweisen.
LG Karlsruhe, 11.4.2008 – 9 S 558/07
Fundstelle: RRa 2008, 273
"Verklicken" / Online-Buchung / San Jose
Wer online seine Reise bucht ist, selber dafür verantwortlich, dass er die richtige Destination auswählt. Reisende aus Bayern wollten nach San Jose in den USA reisen, versehentlich buchten sie jedoch Tickets nach San Jose in Costa Rica. Beim Einchecken in Stuttgart wurde man sich des Fehlers bewusst. So musste man vier Flugscheine nach San Jose (USA) zum Preis von ca. 9'000 Euro kaufen. Der Kläger verlangte vom Betreiber der Online-Vermittlung Schadenersatz. Er machte geltend, man hätte ihn bei der Buchung oder spätestens auf der Rechnung darauf hinweisen müssen, dass er San Jose in Costa Rica gebucht hatte. Das Landgericht München I wies die Klage ab. Der Vermittler darf sich auf die korrekte Wahl des Reiseziels durch den Reisenden verlassen.
LG München I, 17.6..2008 - 34 O 1300/08
Fundstelle: RRa 2009, 27
Allgemeine Geschäftsbedingungen / Unterlassungsanspruch/Internet-Plattform / Vermittler
Der Betreiber einer Internet-Plattform kann nicht auf Unterlassung von Allgemeinen Geschäftsbedingungen in Anspruch genommen werden, die von Reiseveranstaltern eingestellt wurden, deren Leistungen der Betreiber der Internet-Plattform lediglich vermittelt.(Leitsatz der RRa)
LG Berlin, 23. 10. 2007 - 15 O 974/06, RRa 2008, 192
Reisevermittlung / Visum-Beschaffung / Entschädigung / Analogie
§ 615 f II BGB
1.
§ 651f II BGB, wonach der Reisende auch wegen nutzlos aufgewendeter
Urlaubszeit eine angemessene Entschädigung in Geld verlangen kann,
kann auf Verträge, die keine Reiseverträge sind, nur dann
analog angewendet werden, wenn sich der Reiseveranstalter verpflichtet
hat, dem Reisenden eine Gesamtheit von mindestens zwei eigenständigen
Reiseleistungen zu erbringen.
2. Die Übernahme der Visa-Beschaffung gegen Entgelt ist keine eigenständige
Reiseleistung i.S.d. § 651a BGB.
LG Stuttgart, 25.1.2007 – 12 O 488/06
Reisevermittlungsvertrag / Aufklärungspflicht des Vermittlers/
Terrorgefahr / Unerfahrenheit
Ein Reisevermittler ist verpflichtet, 18-jährige eindringlich
über die Terrorgefahren in Ägypten sechs Wochen nach einem
aktuellen Anschlag aufzuklären. Dazu gehört ein Hinweis, dass
"derzeit von Reisen in die Gegend eigentlich abgeraten werden muss".
AG Gelsenkirchen, 16.1.2007 - 5 C 421/06, RRa 2007, 130 m. Anm.
Rittmann
Reisevermittlung / Fehlerhafte Auskunft zur Reiserücktrittsversicherung
Ein Reisebüro haftet nicht, wenn es den Reisenden, der eine Reiserücktrittsversicherung
für sich und mehrerer Mitreisende abschließen will, (fehlerhaft)
darauf hinweist, dass eine Reiserücktrittsversicherung für
alle Mitreisende bereits durch Zahlung mit seiner Kreditkarte abgeschlossen
sei. Das gilt jedenfalls dann, wenn der Reisende bis zum Antritt der
Reise durch Blick in die AGBs des Kreditkartenunternehmers sich davon
überzeugen kann, dass die Auskunft des Reisebüros richtig
ist (Leitsatz der RRa)
LG Frankfurt a.M., 9.3.3007 - 2/19 O 209/06
Geschäftsbesorgungsvertrag / Vermittlung / Ferienwohnung / Datenschutz
§§ 666, 667, § 675 I BGB; § 28 I BDSG
Zur Frage, inwieweit ein Geschäftsbesorger, der es übernommen
hat, eine Ferienwohnung im Namen und für Rechnung des Eigentümers
an Feriengäste zu vermieten, sich auf ein eigenes Geheimhaltungsinteresse
und auf datenschutzrechtliche Belange der Mieter berufen kann, wenn
der Eigentümer Namen und Anschriften der Mieter erfahren möchte.
BGH, 8. 2. 2007 - III ZR 148/06 - LG Aurich, AG Emden
Amtliche
Entscheidung